Wechselbeschwerden / Herz-Kreislauf und Fettstoffwechsel - Herz-Kreislauf und Fettstoffwechsel - Gruppenpraxis Prof. Dr. Alexander Rosen und Dr. Dagmar Krankl OG

Gruppenpraxis Prof. Dr. Rosen und Dr. Krankl

Wechselbeschwerden / Herz-Kreislauf und Fettstoffwechsel

Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen, die besagen, dass die natürlichen weiblichen Hormone das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Hypertonie senken. Dieser Schutz fällt nach dem 50. Lebensjahr durch das Erlöschen der eigenen Hormonproduktion jedoch weg. Es kommt zu einem deutlichen Anstieg dieser Erkrankungen. Wobei deutlich erkennbar ist, dass als Todesursache die Gefäßerkrankungen die Karzinomtodesfälle bei weitem übertreffen.

Ein weiterer Beweis für diese Behauptung ist nicht nur die im Vergleich zu Männern niedrigere Häufigkeit an kardiovaskulären Erkrankungen bis zur Menopause, sondern auch der schützende Effekt von Östrogenen im Wechsel. Auf welche Weise die Sexualsteroide die Entwicklung der Atherosklerose beeinflussen, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Durch die Verwendung von Östrogenpräparaten konnte die Todesrate an diesen Erkrankungen auf ein Drittel gesenkt werden. Rauchen jedoch hebt diesen Schutzmechanismus wieder auf.

Jenseits der Menopause oder auch nach beidseitiger Ovarektomie kommt es zu einem Anstieg des Gesamtcholesterins und der Triglyceride bis zu 20 %, weiters zum Anstieg der LDL-Serumspiegel um 15 % sowie zu einem Abfall der HDL-Serumspiegel. Diese Veränderungen charakterisieren das sogenannte Risikoprofil der Lipide für kariovaskuläre Erkrankungen. Erhöhte LDL-Konzentrationen führen zu Cholesterinablagerungen in der Gefäßwand und steigern das Thromboserisiko. Durch eine Hormonsubstituion lässt sich das ursprüngliche Lipidprofil im Blut wieder herstellen und somit das Erkrankungsrisiko wieder senken.

In jüngster Zeit richtet sich auch die Aufmerksamkeit der Hautärzte vermehrt auf das Klimakterium der Frau. Obwohl das Hautaltern verschiedene Ursachen hat, gibt doch die Wirkung der Östrogene einen Hinweis auf die Alterungsvorgänge der Haut. Erste sichtbare Zeichen des Hautalterns sind ein Erschlaffen der Gesichtskonturen und das Auftreten feiner Fältchen. Die meisten Frauen beobachten nun auch eine zunehmende Trockenheit, die auch mit Juckreiz verbunden ist. Im Mikroskop erkennt man eine Verdünnung aller 3 Hautschichten. Es kommt auch zu einer Verminderung der Hautanhangsgebilde (Talgdrüsen, Schweißdrüsen, Haarfollikel) daraus resultiert eine Reduktion der Geschmeidigkeit und Hautfeuchtigkeit. Des weiteren vermindert sich der Anteil an elastischen Fasern, während zusätzlich Veränderungen im Kollagentyp und Gehalt der Haut auftreten.

Eine Stimulierbarkeit der Haut wurde durch den Nachweis von Östrogenrezeptoren dokumentiert. In verschiedenen Studien konnte der positive Einfluss von lokal angewandtem Östrogen auf die Alterungsvorgänge der Haut bewiesen werden. Es kam zu keiner Erhöhung der hormonalen Blutspiegel bei Verwendung von Östriol, jedoch zu einer eindeutigen Vermehrung des jugendlichen Kollagen III und zur Verbesserung der Hautdurchblutung und Zunahme der Geschmeidigkeit und Feuchtigkeit bereits nach 3 Monaten Therapie.
Die rein lokale Wirkung des Östriols auf die Haut ist vor allem für Frauen wichtig, bei denen eine systemische Wirkung nicht erwünscht ist. Aber durch Östradiol, welches in Form von Tabletten, Spritzen oder Kristallen angewandt wird, konnte in neuesten Studien sowohl eine Verbesserung der Hautfalten als auch eine Zunahme der Dicke und Geschmeidigkeit der Haut bewiesen werden.

Richtlinien für eine Hormongabe:

Durch eine Hormontherapie kommt es nicht nur zur Verminderung der sogenannten Wechselbeschwerden; das Hauptziel sollte vor allem der Schutz vor Osteoporose und auch vor Erkrankungen des Herz-Kreislaufsytemes sein. Eine Verminderung von Krebserkrankungen der Gebärmutter bei zyklischer Östrogen und Gestagengabe kommt noch als zusätzlicher positiver Faktor hinzu.

Der Nutzen einer Hormontherapie, den die Frau an sich selbst verspürt, ist durch folgende Punkte klar zu erkennen:

1. Befreiung von Wechselsymptomen
2. Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens
3. Trockenheit der Scheide
4. Elastizität und Strafferwerden der Haut
5. Verhindern von Trockenheit der Schleimhäute
6. Verminderung von Haarausfall und Reduktion von unerwünschter Gesichtsbehharung
7. Besserung von Muskel- und Gelenksbeschwerden
8. Behebung von Harnverlust und Inkontinenz

Als Kontraindikationen für eine Hormontherapie galten bisher schwere Leberschäden, Thrombosen, Hypertonie, ein bestehender Diabetes mellitus, das Mammakarzinom, ein Korpus oder Ovarialkarzinom. Gegenwärtig werden nur noch die akute Thromboembolie, schwere Leberschäden und das Rezeptor-positive Mammakarzinom als Kontraindikation angesehen. Endometrium-, Ovarialkarzinom, Hypertonie, Diabetes, Koronarinsuffizienz und Otosklerose stellen laut Deutscher Gesellschaft für Endokrinologie 1988 keine Gegenanzeigen mehr dar.

Die häufigsten Beschwerden unter einer Hormontherapie sind vor allem Brustspannen, Gewichtszunahme und Auftreten von Schwellungen. Diese lassen sich jedoch meistens durch eine Dosisänderung oder ein anderes Hormonpräparat beheben.

Als besonders unangenehm wird die Gewichtszunahme empfunden. Interessant ist jedoch, dass es ohne Hormontherapie zu einer weit stärkeren Gewichtszunahme kommt, während unter Einnahme von Östrogenen eine solche auch wieder zurückgeht.

Des weiteren sollten folgende Richlinien beachtet werden:

1. Die Monotherapie mit Östrogen kann zu einer Erhöhung des Risikos für ein Korpuskarzinomes führen, währenddessen die zyklusgerechte Östrogen-Gestagengabe ein solches Risiko sogar im Vergleich zu unbehandelten Frauen senkt, wie es für die Endometriumhyperplasie unter alleiniger Östrogentherapie im Vergleich zur Östrogen-Gestagentherapie gezeigt werden kann. Somit sollte eine Monotherapie nur bei Gebärmutter operierten Frauen angewandt werden.

2. Der Hormonrezeptorstatus beim primären Mammakarzinom hat keinen direkten Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen eine Östrogensubstitution. Jedoch wird man sich bei östrogenrezeptor-negativen Erkrankungen leichter für eine Östrogentherapie aussprechen. Die Einbeziehung der Patientin bei der Therapieerstellung nach primärer Ausnützung alternativer, homöpatischer Therapien ist wichtig. Klinische Studien, die auf eine Stimulation von Tumorwachstum, Lokalrezidiv oder Metastasierung hinweisen, liegen nicht vor. Immer muss die Nutzen-Risiko-Abwägung mit der Patientin besprochen werden. Es empfiehlt sich die exakte Dokumentation aus forensischen Gründen entsprechend den Empfehlungen der Dt. Gesellschaft für Senologie. Eine Zunahme des Risikos für Brustkrebs bei gesunden Frauen konnte bisher nicht belegt werden gefunden werden.

3. Ein bestehender Bluthochdruck wird nicht verschlechtert; es kann sogar zur Verbesserung der Werte kommen. Bei alten, zurückliegenden Thrombosen muss nicht auf eine Hormongabe verzichtet werden, es sollte jedoch die niedrigst mögliche Dosis verwendet werden.

Die Möglichkeiten der Hormonzufuhr sind heutzutage vielfältig. Es kann entweder Östrogen als Monotherapie oder in Kombination mit einem Gelbkörperhormon gegeben werden. Dies kann in Tablettenform, Depotinjektion, Kristallimplantation erfolgen. Eine transdermale Gabe in Form von Hormonpflastern, Salben und Gelen wird von den Frauen auch sehr geschätzt, die eine Abneigung gegen das regelmäßige Schlucken von Tabletten haben. Eine rein lokale Applikation vor allem im Genitalbereich in Form von Cremen und Scheidenzäpfchen lindert Beschwerden wie Trockenheit, Juckreiz sowie Symptome des Harnverlustes.

Eine Hormontherapie sollte vor allem in Hinblick auf das Osteoporoserisiko mindestens über 10 Jahre gegeben werden. Eine regelmäßige gynäkologische Kontrolle mit vaginalsonographischer Endometriumsdiagnostik als auch die Brustuntersuchung in Kombination mit einer Mammographie sollte mindestens einmal im Jahr durchgeführt werden.